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Donnerstag, 8. Oktober 2015

Bayer und die "Migranten"

Es war einmal ein Interview, gemacht von einer finnischen Fernsehstation, in dem sich Flüchtlinge, die angeblich rund 50 an der Zahl sind und im Hungerstreik, beschweren, dass sie in der Stadt Oulu im Flüchtlingsheim einen Saufraß zu essen bekommen würden und aus der Toilette(?) Wasser trinken müssten. Sie wollten "ihr Geld", damit sie sich was zu essen kaufen könnten und fordern, jemand solle kommen, um ihnen zu helfen.
Inwiefern hier auch ein wenig Propaganda dahintersteckt, soll jeder selber entscheiden, es ist aber auf jeden Fall eine Geschichte, die man in einem der ungarischen staatlichen Radiosender, im Kossuth-Radio, in den letzten Tagen immer wieder zu hören bekommt, es werden auch noch andere Geschichten über die Undankbarkeit der "Migranten" erzählt, wie dass sie sich in Belgien beschweren würden, dass das Internet zu langsam sei.


Orbáns Intimfreund und Fidesz-Gründungsmitglied Zsolt "die Juden haben ins Karpatenbecken gerotzt" Bayer nahm diese Meldung aus Finnland zum Anlass, wieder eine seiner gewohnten Hasstiraden loszulassen. Diesmal nicht in der Tageszeitung Magyar Hírlap, sondern auf dem rechtskonservativen Internetportal Mandiner. Der in seiner Defitigkeit leicht abgeschwächte Text folgt hier in deutscher Übersetzung:

"BRIEF AN ALLE FLÜCHTLINGE 

Also meine kleinen Freunde, passt jetzt gut auf, ich sage es nicht noch einmal: Wenn euch nicht passt, was die finnischen Kinder und die finnischen Rentner essen, ihr stattdessen Geld verlangt, noch dazu - wie ihr es formuliert - "euer Geld", dann packt euch doch zusammen, sehr schnell und flink und verschwindet nach Hause zu euren Hurenmüttern. Versteht ihr mich? Wenn nicht, dann sag ich's euch nochmal: zu euren Hurenmüttern! Was bildet ihr euch denn ein? Wer seid ihr überhaupt? Wer zum Teufel hat euch hierher eingeladen? Und wenn ihr schon hier seid, woher nehmt ihr denn die Frechheit, etwas von uns zu fordern? Ihr seid unerträglich, frech wie eine Fliege auf dem Fleischmarkt, euch fehlt die Demut, der Dank und ihr habt nichts Menschliches an euch. Habt ihr wirklich gedacht, dass es in Europa irgendjemandes Pflicht ist, euch zu ertragen? Eure pure Existenz wird immer unerträglicher und irritierender.
Verschwindet nach Hause in euere von Kamelen zugeschissene Wüste, fresst doch, was ihr dort findet. Und das Geld verdient euch wie ihr wollt und könnt."


Übersetzung: Zsuzsa Mező

Sonntag, 27. September 2015

Warum Orban gefährlich ist

Von Josef Weidenholzer

Erwin Pröll versteht ihn, Wolfgang Schüssel schätzt ihn und Horst Seehofer lädt ihn ein. Die Rede ist von Victor Orban. Der ungarische Ministerpräsident ist gegenwärtig drauf und dran, die EU zu zerstören. 25 Jahre nachdem sein Amtsvorgänger Gyula Horn den Stacheldrahtzaun durchtrennte, ließ er an der Grenze zu Serbien einen neuen errichten. Nicht nur um Flüchtlinge abzuhalten. Vielmehr gibt er vor, das „christliche Ungarn“ vor einer islamischen Invasion zu schützen. Die Europäische Kommission konnte ihn nicht davon abhalten. Ihre Warnungen blieben auffallend vage. Wohl auch deswegen, weil sich manche bereits innerlich mit seiner Existenz abgefunden, oder sogar klammheimlich mit ihm angefreundet haben. =>weiter

Freitag, 25. September 2015

Hungary’s Politics of Hate

New York Times - While journalists flocked to cover the chaos at Budapest’s Keleti Station and thousands of refugees marched on foot along the M1 motorway toward the Austrian border, Viktor Orban, the prime minister of Hungary, was watching the Hungary-Romania soccer match from his V.I.P. box in the Budapest football stadium. =>weiter

Dienstag, 22. September 2015

Migranten im Maisfeld - Realsatire aus Ungarn

Nagymagócs – Am Dorfrand von Nagymagócs hielten an einem verpflichtenden Arbeitsprogramm teilnehmende Langzeitarbeitslose und Landvermesser einander für Migranten. Sie erschraken voreinander. Eine Gruppe verschwand angeblich im Maisfeld, um dann wieder aufzutauchen, das andere Kollektiv schwang sich aufs Fahrrad und machte sich auf den Weg ins Dorf. Die im Nachhinein komisch wirkende Situation wurde von der Polizei aufgeklärt.

In Nagymagócs, einem Dorf im Süden Ungarns, ging das Gerücht um, zweihundert Flüchtlinge sollten im Dorf untergebracht werden, was aber nicht stimmte. Die falsche Information gründete auf dem Umstand, dass einige Arbeiter meinten, am Dorfrand Migranten entdeckt zu haben.
Gestern hat unsere Mitarbeiterin die Gruppe von Arbeitern aufgesucht, die etwa 5 Kilometer vom Dorf entfernt einen Wassergraben säuberten, der von Bäumen zugewachsen war. Laut lachend erzählten sie, was geschehen war.

„Im Nachhinein war das so, wie ein Kabarett. Aber in dem Moment hatten wir ein bisschen Angst“, sagte Zsolt Csipkés, der Gruppenleiter.
„Éva Udvardi und ich waren für das Wegtragen der Zweige zuständig. Éva wurde darauf aufmerksam, dass ein Mann, gut ein paar Meter weiter, aus dem Graben trat und sich dann schnell wieder zurückzog. Csaba Kerekes und ich sahen aber schon, dass der Betreffende auf die gegenüberliegende Seite hinüberging und sich im Maisfeld versteckte“, begann Ildikó Lakatos zu erzählen.

„Wir dachten gleich, der Betreffende könnte ein Migrant sein, deshalb versteckt er sich. Krisztián Bodzsár hat ein Moped. Wir sagten ihm, er solle schnell losfahren und nach unseren Fahrrädern sehen, die wir weiter weg haben stehen lassen. Ob sie noch da sind. Wir befürchteten, dass sich der Migrant eines der Fahrräder schnappen könnte und dann weiterflüchtet“, setzte Éva Udvardi fort.

„Ich fuhr mit dem Moped los und sah, dass auch zwei andere Männer im Maisfeld verschwanden. Die Lage schien ernst. Zumindest in diesem Moment“, fügte Krisztián Bodzsár hinzu.
Währenddessen rief der Gruppenleiter Zsolt Csipkés den Chef an und informierte ihn über die Geschehnisse.
„Er hat dann die Polizei angerufen und gesagt, wir sollten uns zurück auf den Weg ins Dorf machen.“

Jeder radelte in seinem eigenen Tempo. Der Polizei begegneten sie in etwa auf halbem Weg, an der kleinen Brücke.
„Anton, ein Typ mit braunem Gesicht, war der Erste, den die Polizisten trafen. Fast hätten sie ihn mitgenommen. Sie sagten, er solle das Fahrrad abstellen und sich in den Polizeiwagen setzen. Wahrscheinlich dachten sie, er wäre einer der Migranten. Zsolti Báder war der nächste, der auf die Polizisten traf. Er sagte ihnen, sie sollten ihn nicht mitnehmen, weil er einer von uns ist. Anton war anzusehen, dass er keinen Mucks herausbrachte, so erschrocken war er. Später lachte auch er über das Ganze“, erzählte Csaba Kerekes.

Das Ende der Geschichte erfuhren wir von Bürgermeister Endre Szebellédi:
„Die Polizei benachrichtigte mich später, dass die, die die Arbeiter für Migranten hielten, Landvermesser waren. Nach Meinung der Arbeiter glaubten auch die Landvermesser, Migranten zu sehen, deshalb versteckten sie sich im Maisfeld. Nach den Ereignissen verbreitete sich im Dorf das Gerücht, man hätte 200 Migranten nach Nagymagócs gebracht. Ein Teil von ihnen wäre in der Touristenherberge untergebracht worden, der Rest in dem ehemaligen Sozialheim in der Kossuth-Straße. Aber es wurden keine Migranten nach Nagymagócs gebracht. Bei den zuständigen Behörden war von unserer Ortschaft gar keine Rede. Unsere Selbstverwaltung würde auch ablehnen, hier ein Flüchtlingslager einzurichten“, erklärte Endre Szebellédi.
Abschließend fügte hinzu, dass die Migrantenfrage so oder so jeden beschäftige. Vor der Flüchtlingswelle wären die Arbeiter und die Landvermesser am Maisfeld wohl nicht voreinander erschrocken.


Übersetzung: Éva Zádor
(Quelle:
www.delmagyar.hu/szentes_hirek/mindenki_mindenkit_menekultnek_nezett_nagymagocson/2445808/)