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Donnerstag, 10. Mai 2018

Wann kommt das Orbán-Mausoleum?


Orbán hielt eine elendslange Inaugurationsrede, in der er schon bekannte Worthülsen verschoss. Es erklangen aber auch Sätze, die noch stärker an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen. Er will bis 2030 an der Macht bleiben, steht bis dahin auch das Orbán-Mausoleum?

Und schon fletscht er die Zähne, der Viktor.
„Vor einigen Minuten habe ich das vierte Mal den Ministerpräsidenteneid abgelegt. Dieser Eid ist ein Versprechen, ein Vorsatz und eine Hingabe. Ich versichere allen 15 Millionen Ungarn, dass mich bei jeder meiner Handlungen der Dienst an der ungarischen Sache und dem christlichen Interesse leiten wird. So wahr mir Gott helfe!

Zuerst wolle er sich bedanken, meinte er. Er bedankte sich für die Teilnahme an den Wahlen auch bei jenen, die nicht für ihn gestimmt haben. Orbán wiederholte, dass er mit der Zweidrittelmehrheit drei Dritteln dienen werde.
„Die Heimat kann nicht in Opposition sein, denn sie steht weit über den Parteien.“ […]
In Richtung Opposition richtete er folgende Worte: „Ich werde nach den Regeln der Ritterlichkeit kämpfen, doch bei Diskussionen lassen wir und nicht den Schneid abkaufen. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ […]

„Der Streit, der Kampf ist ein natürlicher Bestandteil der Politik - vergebens sehnen wir uns nach friedlichen Übereinkünften, das kommt in der Welt der Politik nur selten vor.“ […]
"Ich werde mich bemühen, dass wir in diesem Hohen Haus, so oft wie möglich, das Gefühl haben, es sei ein Engel über uns hinweg geflogen." […]
„Die Politik ist gefährlicher als der Krieg. Denn dort wird man nur einmal getötet. Wer sich mit Politik beschäftigt, kann mehrmals auferstehen.“ […]

Ungarns internationale Lage beschrieb er folgendermaßen: Im Westen befinde sich eine „germanische Eiserne Kanzlerin“, im Osten „slawische Militärstaaten“ und aus dem Süden kämen „muslimische Massen“ auf ihrem Eroberungsfeldzug.
Über sich selber sprach er auch:
„Wenn Gott es will und wir bis dahin leben, dann erreiche ich am Ende dieses Zyklus das Gleichgewicht zwischen den Jahren in der Opposition und in der Regierung. Das bedeutet ein Unentschieden. Aber nachdem wir Sportler sind , geben wir uns mit einem Unentschieden nicht zufrieden.“
Orbán sei „frohgemut, zuversichtlich und voller Tatendran“ und er meinte: „Wir müssen eine scharfe Grenze zwischen Selbstvertrauen und Selbstzufriedenheit ziehen.“ Bescheidenheit sei angebracht, weil sich „hinter den Erfolgen immer die Gnade Gottes verbirgt: Soli Deo gloria, Gott allein sei die Ehre.“

Orbán meinte weiters, dass er für weitere 12 Jahre, bis 2030, plane. Bis dahin würden Autobahnen gebaut, die Schrumpfung des ungarischen Volkes gestoppt, es werde eine „neue ungarische Armee“ geben, ja sogar nachhaltige Energieerzeugung.
Orbán sprach vom Schreckgespenst des Verschwindens des Ungarntums. Denn die Ungarn seien „ein ganz besonderer Menschenschlag“, „die ungarische Abart des homo sapiens, die der Welt mehr gegeben als bekommen hat".
Migration werde zum Zerfall der Nationen und Staaten führen, es bleibe eine offene Gesellschaft und eine einzige europäische Regierung: „Darauf läuft das Spiel hinaus, das ist ein echter Masterplan.“
Europa müsse endlich verstehen, dass „das Zeitalter der liberalen Demokratie zu Ende ist“, weil diese ungeeignet sei, die „menschliche Würde zu schützen und die christliche Zivilisation zu erhalten“.
Schließlich meinte Orbán: „Wir brauchen die Union und die Union braucht uns.“ Die EU müsse als Bund freier Nationen bestehen und der „Fiebertraum“ der Vereinigten Staaten von Europa müsse aufgegeben werden. Die Umgestaltung der Union müsse mit einer Meinungsänderung in Sachen Migration beginnen.

Freitag, 4. März 2016

„Wir werden aus Ungarn kein Europa machen"



Es ist besser, individuell zu handeln als gemeinsam nichts zu tun“, war das Bonmot unter dem Orbáns allfreitägliches nationales Briefing stand. Damit reagierte er auf Merkels Warnung, dass eine einzelstaatliche Krisenbehandlung zu nichts führe. Orbán lobte sich, dass er voriges Jahr den ersten Schritt gemacht habe und somit Ungarn das „geschützteste“ Land der EU sei.
Die Kosten für den Schutz gegen die „Migranten“ habe Ungarn alleine getragen, nur 4-5 Mio. Euro, „die uns zustehen“ seien aus der EU gekommen, die internationalen Quellen seien verschwindend gering gewesen. Dazu meinte er, „in der EU wird das Geld auf andere Weise gezählt“, deshalb habe er vorerst keine weiteren EU-Geldmittel zur Bewältigung der Flüchtlingskrise angefordert, weil diese auch mit weiteren Verpflichtungen verbunden sein könnten und somit der Handlungsspielraum der Regierung beschränkt würde.
Er hielt es weiters für unverständlich, wie Griechenland es dulden konnte, dass seine Grenzen zu existieren aufgehört hätten, und warum es die „Migranten“ von den Inseln auf das Festland gebracht habe. „Das sind rätselhafte Dinge“, meinte Orbán und erklärte, dass man das auch anders hätte lösen können.

„Wir werden aus Ungarn kein Europa machen, dieses Land bleibt ein sicherer Ort“, meinte Orbán und bekräftigte, dass man bereit sei, auch an der rumänischen Grenze die Überwachung zu verstärken, sollten sich die Migrationsbewegungen in Richtung Ungarn wiederum verstärken.

Martin Schulz schlaumeiere, wenn er erklärt, er verstehe nicht, warum man über 1300 Flüchtlinge eine Volksabstimmung abhalten müsse. Orbán meinte, man arbeite in Brüssel an einem ständigen Verteilungssystem und dagegen wolle er mit der Volksabstimmung auftreten. Denn viele glaubten, die Flüchtlingspolitik könne dem Volkswillen widersprechen, der Liberalismus pralle also auf die Demokratie. Es stelle sich nicht die Frage, was eine Regierung denkt, sondern was die Menschen wollten, die Ungarn gehörten in das Lager der demokratischen Völker, deshalb würden die Menschen auf jeden Fall befragt.

„Andy Vajna dürfen wir auch nicht vergessen“, meinte Orbán im Zusammenhang mit dem Oscar-Erfolg des ungarischen Films "Der Sohn des Saul". [Andy Vajna hat dereinst Filme wie Rocky und Terminator produziert und ist heute die ungarische Filmförderung in einer Person.] Er sei „einer der mutigsten Ungarn“, der im „Wespennest“ der ungarischen Filmindustrie Ordnung gemacht habe und die Möglichkeit schuf, dass solche Filme entstehen können.

Mittwoch, 2. März 2016

Es war einmal ein berühmter Brückenbaumeister




Es war einmal ein berühmter Brückenbaumeister. Eines Tages ging er zu den Ungarn und sagte, Ich bau euch eine Brücke, da werdet ihr nur so staunen! Auf der kann man spazieren gehen, auf und ab. Wir gehen nicht spazieren, sagten die Ungarn. Wir haben für sowas keine Zeit. Herumspazieren, tirilieren, sagte der Brückenbaumeister. Und schon gar nicht tirilieren!, sagten die Ungarn. Wir haben schlechte Laune. Herumspazieren, tirilieren, Mädchen küssen, musizieren, sagte der Brückenbaumeister. Na aber sicher!, sagten die Ungarn. Geh woanders hin und bau dort deine Brücke. Der Brückenbaumeister baute den Ungarn die Brücke trotzdem. Als sie fertig war, spazierte er darüber und tirilierte. Die Ungarn starrten ihn an. Wir gehen da nicht drüber, sagten sie. Sonst noch was vielleicht! Der Brückenbaumeister spazierte auf und ab und tirilierte. Jetzt fängt er gleich noch an, ein Liedchen zu singen! Auf unserer Brücke! Sowas geht doch nicht! Geh endlich heim, dort kannst du tirilieren!, sagten die Ungarn und verjagten den Brückenbaumeister. Die Brücke behielten sie jedoch.

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 ÜS: CP


Aus Alíz Mosonyi: Ungarnmärchen (Magyarmesék)